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27.09.2011 00:00 Alter: 236 days
Kategorie: Regensburg-Land

Organspende liberalisieren - aber ohne Zwang!

"Das System ist nicht perfekt - aber es ist das beste, das wir haben!" Frei nach diesem Motto erklärt der Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Regensburg-Land: "Bei der Frage nach dem richtigen Modell der Spenderorgangewinnung kann es nur eine Antwort geben: Zustimmungslösung. Denn auch wenn andere Lösungen theoretisch denkbar wären, so lässt sich nur die Zustimmungslösung mit einem liberalen Gesellschafts- und Wertemodell vereinbaren. Für manche stellt die Frage nach der Spendenbereitschaft eine äußerst wichtige Entscheidung dar, die besonders durch einen tiefgreifenden inneren Konflikt geprägt sein kann. Kaum jemand wird leugnen, dass Organspende sinnvoll und richtig ist, während die Gründe dagegen privater Natur und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Die Abwägung, welche Gründe für Einen persönlich wichtiger sind, ob pro oder contra, fällt Manchem dabei sicherlich schwer, oder ist für Einige sogar unmöglich, so dass es hier auch gestattet sein muss, sich eines Votums zu enthalten. Die derzeit geforderte "Erklärungslösung" möchte jedoch bewusst diesen inneren Konflikt der Bürger aufgreifen und ausnutzen. Mit dem sog. Totschlagargument "Leben retten" nimmt man willentlich in Kauf, dass sich der Bürger mit einem "Nein" als Votum ganz konkret verantwortlich fühlt für den Tod eines Menschen – und dass der Bürger dieses Verantwortungsgefühl durch ein positives Votum vermeiden möchte. Unter dieser Prämisse fällt es folglich schwer an die Freiwilligkeit der Entscheidung zu glauben. Mit dem Zwang zur Entscheidung zwingt man die Menschen auch in die "gesellschaftlich erwartete" Entscheidung.

Dass andererseits im Bereich der Organspenden noch Handlungsbedarf besteht, belegen die Zahlen. Auch wenn ich mich von einer gesetzlichen Verpflichtung bewusst distanziere, begrüße ich die Idee, dass die Krankenkassen sich in einem ersten Schritt intensiver an der Aufklärung der Bürger beteiligen und vermehrt Informationen zu diesem wichtigen Thema bereitstellen. Ein anderer wichtiger Punkt ist aber auch die Bereitstellung modernerer Formen der Willensbekundung. Eine Schwachstelle des momentanen Systems ist wohl auch das unpraktische Papierdokument. Weder Größe noch Lebensdauer motivieren dazu, diese Willenserklärung stets bei sich zu tragen. Nur zu schnell verschwindet dieses Stück Papier in irgendwelchen Aktenordnern, um nie wieder (oder zumindest zu spät) wieder aufzutauchen. Hier bieten sich neben wenigen zentralen Registrierungsstellen auch die elektronische Gesundheitskarte oder die neuen Personalausweise an. Wichtig dabei ist, dass eine Eintragung nur auf ausdrücklichen Wunsch des Spenders erfolgt. Zur möglichst breiten Akzeptanz sollten bewusst mehrere Möglichkeiten zur Willensbekundung angeboten werden.

Eine weitere - und zudem wichtige - Möglichkeit, das Aufkommen von Spenderorganen zu erhöhen ist, das vorhandene Potential auch wirklich auszunutzen und die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen dazu zu schaffen. Etwa 2/3 aller Patienten auf den Wartelisten für ein Spenderorgan benötigen eine neue Niere. Hier müsste man nicht darauf "hoffen, dass ein geeigneter Spender stirbt" - Nieren können auch in Form einer Lebendorganspende übertragen werden. Diese Möglichkeit ist jedoch leider (mit wenigen Ausnahmen) gesetzlich verboten. Durch eine geeignete Anpassung der gesetzlichen Grundlagen könnte man hier einen großen Schritt tun, um die Defizite bei den Organspenden auszugleichen, statt den Bürger zu verpflichten, eine Antwort auf eine Frage zu geben, die er für sich selbst wohl möglich noch nicht einmal beantworten kann."